Das Buch "der Einbalsamierer"
von der Kunst Tote schön zu machen

Tote schön machen...das ist genau, was Joerg Vieweg als Einbalsamierer tut. Ein Verkehrsunfall, ein Sprung aus großer Höhe, ein Suizid oder einfach nur eine lange schwere Krankheit. Das alles kann den Körper eines Menschen stark verändern und einen Abschied vermeintlich unmöglich machen. Die Toten wieder herrichten um Abschied zu ermöglichen, das ist wichtig.

Es ist die Aufgabe von Einbalsamierern und Thanatopraktikern Menschen zu rekonstruieren. Joerg Vieweg arbeitet mit Verstorbenen um dafür zu sorgen, dass die Angehörigen Abschied zu nehmen können. Besonders nach akuten Ereignissen ist die Begegnung mit dem verstorbenen Körper ein heilsamer Schritt in und durch die Trauer. Bei einem Tod aus natürlicher Ursache, kann es notwendig sein Menschen konservierend zu behandeln um diese zum Beispiel in das Ausland zu überführen.

In diesem Buch nimmt Joerg Vieweg uns mit in die, für die meisten unsichtbare Welt eines Versorgungsraums. Eine Welt die für die meisten von uns verborgen ist. Er erklärt, wie er dazu gekommen ist, diese besondere Tätigkeit, neben seinem Beruf als Bestatter, zu seiner persönlichen Aufgabe zu machen. Einige der interessantesten Fälle stellt er uns in diesem Buch vor und zeigt was möglich ist um Menschen den für der Trauerprozess so bedeutsamen sinnhaften Abschied vom verstorbenen Körper zu ermöglichen.

 


Auszug:

» Als ich das Zimmer betrat, sah ich meinen Vater auf den Rücken liegend. Er atmete kaum. Auf seiner Stirn stand Schweiß und es war warm im Zimmer. Ich ging also zum Fenster um etwas frische Luft herein zu lassen. Vielleicht dachte ich auch, dass es gut sei, das Fenster zu öffnen, damit die Seele entweichen könne. Ich nahm mir den Hocker vom Tisch am Fenster und setze mich nah an das Bett meines Vaters. Zuvor nahm ich mir noch einen Waschlappen und tränkte diesen mit kaltem Wasser. Mein Vater hatte ganz offensichtlich auch Fieber. Der Schweiß kam also nicht von irgendwelchen Schmerzen, sondern war nur ein Ausdruck der erhöhten Temperatur. Immer wieder sagte ich Ihm, dass er nicht allein sei und das ich bei Ihm bleibe. Das er loslassen könne, wenn er wollte. Alles sei geregelt und wir würden als Familie gut aufeinander aufpassen. Mittlerweile hatte sich das Atemmuster verändert. Die anfänglich leichte Unruhe war nun nicht mehr wahrzunehmen. Von draussen hörte man Vogelgezwitscher und Schritte der Mitarbeiter, welche zur Arbeit kamen. Hier drinnen war der Tot und da draussen das Leben. Ein seltsames Gefühl. «

 

» Meine Aufgabe ist es den Verstorbenen so herzurichten, dass er/sie erkennbar ist. Es muss nicht perfekt sein, aber es muss erkennbar sein, wer dort tot vor einem liegt. Ein weiterer Aspekt erscheint mir sehr wichtig. So wie wir seit ewigen Zeiten die Toten um uns herum versuchen zu ehren und ihnen Würde zurück geben, so müssen wir sie auch pflegen und versorgen. Wer einmal seinen verstorbenen Angehörigen gewaschen und angezogen hat, wird dies im Nachhinein häufig als heilsam und wohltuend empfunden haben. Ich versuche dies möglich zu machen und durch die thanatopraktische Versorgung eine Grundlage zu schaffen, damit der Abschied gelingen kann. «

 

» Wir traten in den mit überdimensionierten Neon-Deckenleuchten ausgestrahlten Versorgungsraum ein und sahen auf den in Reihen angelegten Waschtischen vor uns zwei Kinder und eine jüngere erwachsene Frau aufgebahrt liegen. Alle drei waren offensichtlich obduziert und mit einem weissen Laken, bis zur Brust hochgezogen, abgedeckt worden. Der Raum ungefähr 30m lang und 10m breit. Die Wände waren mit weißer Latexfarbe, die gegen Desinfektionsmittel resistent waren, gestrichen worden. Der Fußoden war aus einem für den Klinikbereich geeigneten rötlich-gelblich gesprenkelten PVC Boden. Links an der Wand hingen diverse Fachinformationen, Lernposter und eine Tafel auf der die zur Zeit anwesenden "Gäste" verzeichnet waren. Abkürzungen neben den jeweiligen Namen verrieten uns, an welcher Stelle des Prozess-Durchlaufs der Verstorbene sich jeweils befand. Am hinteren Ende des Raums befand sich der Klimaraum in dem 20 Verstorbene Platz fanden. Auf der Tafel befanden sich derzeit 17 Namen. Das Haus war also gut gefüllt. Manch ein Hotel würde sich eine solche Auslastung sicher wünschen.
Als wir näher an die Verstorbenen herantraten erkannte man, dass das eine Kind ein ungefähr sieben jähriges Mädchen war. Der kleine Junge war drei Jahre alt. Es war also sofort ersichtlich, was am heutigen Vormittag für David - unserem Trainer, meiner Mitstudentin und mich zu tun war.«

 

 

 

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